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Bericht der Pädagogikstudentin J. Wachs

Bastille: Warum nennt sich ein Verein so? Bastille - erster Gedanke: ein Gefängnis, dicke Mauern, wenig Licht. Empfinden so die Menschen, die von der Bastille - Gsws e.V. betreut werden? Sie sind behindert ja aber ist Behinderung gleichzusetzen mit Gefangenschaft? Oder bedeuten die dicken Mauern, sie wollen sich abschirmen vor der Welt? Sollen die Mauern sie möglicherweise schützen? Wenn ja, wovor? Vor wem? Oder geben ihnen dicke Mauern eher ein Gefühl der Sicherheit? Viele Fragen, die mich bei meiner Suche nach einem Praktikumsplatz auf den Bastille - Gsws e.V. aufmerksam machten. Ich bewarb mich, um im Rahmen meines Pädagogikstudiums ein vierwöchiges Praktikum zu absolvieren. Ich lernte Menschen kennen, die meinen Blick auf das Leben verändert haben.


Da sind die Menschen, die es sich zur täglichen Aufgabe gemacht haben, behinderten Menschen in allem zur Seite zu stehen: Gemeinsam organisieren sie das Zusammenleben in Wohngemeinschaften, gemeinsam suchen sie passende Arbeit, gemeinsam kochen sie oder unternehmen etwas in der Freizeit. Es klingt so einfach, aber es ist beispielsweise der Umgang mit Geld, der gelernt werden muss, das Einkaufen genauso wie das wohnliche Einrichten der Zimmer und Gemeinschaftsräume, aber auch der Kontakt mit den zuständigen Ämtern muss gepflegt sowie regelmäßige medizinische Versorgung gewährleistet werden. Viel Schriftverkehr ist zu erledigen. Bei all dem werden aber nie die persönlichen Interessen der einzelnen Bewohner vergessen.


Eine wichtige Erfahrung, die ich im täglichen Umgang mit den Bewohnern der WG in der Rigaer Str. machen konnte, war, dass es sehr wichtig ist, auf jeden sehr differenziert und verständnisvoll einzugehen, aber auch Grenzen zu setzen. Es kommt nicht darauf an, sie zu bevormunden, alles für sie zu erledigen, es kommt vielmehr darauf an, sie aktiv einzubeziehen, ihnen so viel Unterstützung zu geben, wie sie benötigen, um möglichst selbstständig mit den Alltäglichkeiten zu Recht zu kommen.


An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an Mike und Jens, und allen WG-Bewohnern, insbesondere in der Rigaer Straße, alles Gute für die Zukunft wünscht
Jenny Wachs.

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